Zwischenbilanz

Veröffentlicht in Uncategorized am April 2, 2009 von johannaseitz

(hier mein Weltwärtsbericht, denn ich alle drei Monate abliefern muss. Dachte mir, da ich eh schon lange nichts mehr geschrieben habe, könnte ich auch den mal hier rein stellen)

Mehr als die Hälfte, des am Anfang unendlich erscheinenden Jahres, ist jetzt bereits vorbei. Zeit zurück zublicken, was man in dem vergangenen halben Jahr gemacht und erreicht hat, und auch Zeit voraus zublicken und sich Gedanken darüber zu machen, was man mit der bleibenden Zeit noch anfangen will.

Der Alltag hat einen längst eingeholt, man hat seinen festen Wochenplan und auch die Wochenenden bringen nicht viel Abwechslung. Neue Erfahrungen sind Schnee von gestern man hat das Gefühl man erlebt überhaupt nichts mehr Erwähnenswertes und dementsprechend werden Blog-Einträge zu einer immer größeren Seltenheit. Vor ein paar Wochen habe ich hier, in meinem Abenteuer Burundi tatsächlich den Punkt erreicht, wo ich einfach nur noch gelangweilt war und Langeweile demotiviert. Allerdings hat mich diese Krise, in der sich mir die Frage stellte, was will ich hier eigentlich überhaupt noch, weitergebracht, denn ich habe eine Antwort gefunden. Ich will mich nicht aus lauter Bequemlichkeit von einem monotonen Ablauf einschläfern lassen, sondern die Herausforderungen suchen, wenn sie mich schon nicht mehr von alleine finden. Und tatsächlich, wenn man sich einmal die Zeit nimmt, in sich selbst hineinzusehen, sind da so viele Ideen, die bis jetzt nur darauf gewartet haben umgesetzt zu werden, weil es bis jetzt an Motivation oder Mut gefehlt hat. Eine der Entscheidungen, die ich jetzt gefasst habe, ist, für ein, zwei Wochen oder vielleicht auch länger, in einem der Heime im Landesinneren zu arbeiten. Natürlich macht es mir ein wenig Angst, dort dann niemanden zu kennen und erst einmal ganz auf mich alleine gestellt zu sein, aber wer Herausforderungen sucht, muss sich eben auch etwas trauen und vor allem freue ich mich eigentlich auf die neue Erfahrungen, die ich dann wohl endlich wieder zahlreich erleben werden darf.

Und auch hier in Bujumbura habe ich mich wieder neu aufgerafft und einfach mal neue Sachen ausprobiert, zum Beispiel habe ich die Kinder aus dem Kindergarten, die mir inzwischen sehr, sehr ans Herz gewachsen sind, zu Hause besucht, weil ich es immer Schade fand, dass sich der Kontakt nur auf den Kindergarten beschränkt hat. Also habe ich einfach mal mit meinen Kirundi-Bruchstücken erklärt, dass ich gerne sehen würde, wo und wie sie leben. Also sind wir nach dem Kindergarten zusammen losmarschiert, in die ärmlichen Dörfer der Kinder. Diese waren unglaublich stolz, eine Muzungu in ihr Dorf zu führen, und dann haben sie mir ein Haus, und eine Mutter nach der nächsten gezeigt, die sich alle irrsinnig gefreut haben mich zu sehen. Die Anfrage, ob ich nicht ein Dach, durch das es durchregnet reparieren kann, habe ich wie gewöhnlich einfach ignoriert. Sicher werde ich die Kinder noch öfter besuchen, doch jetzt sind dann erst einmal Ferien und auch in denen haben wir jetzt Programmpunkte geplant, die wir schon immer mal mit Kindern machen wollten, aber nie dazugekommen sind, von Kinonächten, über Lesenachmittagen zu Spielaktionen und zukunftsorientierten Gesprächen mit unseren Älteren. Jetzt wartet das ganze nur noch auf Umsetzung und sobald wir einen Ferienplan ausgehängt haben, gibt es kein zurück mehr. Oft ist es nur all zu einladend, einfach nur bei den Kindern zu sein, sich zu unterhalten und Blödsinn zu machen, denn wenn man etwas organisiert, bedeutet das auch oft Probleme und Enttäuschungen. Aber im Endeffekt lohnt es sich dann eben doch meistens.

Zurzeit findet man mich immer häufiger im Straßenkinderheim, wo ich bei 150 Kindern das Glück habe, jeden Tag jemanden neu oder besser kennen zu lernen. Dort macht es mir neben dem Computerunterricht, einfach unglaublich Spaß mit den Kindern und Jungs Zeit zu verbringen, Kirundikenntnisse gegen Englischkenntnisse auszutauschen, zu diskutieren, rumzutoben und Fußball zu spielen. In dem Waisenheim, in dem ich wohne, bin ich außerhalb des Wohnens nicht mehr ganz so oft, aber ich gebe weiterhin den Tanzunterricht, und werde jetzt wo wir wieder funktionierende Computer haben auch wieder mit dem Computerunterricht beginnen.

Im Großen und Ganzen sind meine Ziele längst nicht mehr, die Welt zu verändern, sondern einfach nur mit den Menschen hier zu leben und von ihnen zu lernen und wer weiß, vielleicht kann auch ich ihnen irgendetwas auf ihren Weg mitgeben. Am Ende des Jahres, werden die Spuren, die ich hier hinterlasse, zwar keine nachhaltigen Projekte sein, aber vielleicht einige Leute, die die Erinnerung an mich zum lächeln bringt.

Meine Abenteuer im Alltag

Veröffentlicht in Uncategorized am März 4, 2009 von johannaseitz

Es ist Anfang des Monats, ich trage endlich wieder Geld in meinem Geldbeutel und was mache ich? Ich lasse mich mal wieder beklauen. Ich war mit Jungs aus unserem Heim mit dem Bus unterwegs ins andere Heim, wir saßen bereits im zweiten Bus, der gerade losfahren wollte, als ich bemerkte, dass mein Geldbeutel fehlte und ein riesiger Schlitz in meiner Tasche war. Beschissen, auf jeden Fall mussten wir alle wieder schnell aus dem Bus aussteigen weil ich plötzlich zur mittellosen Muzungu geworden bin. Ich war soo wütend, auch auf mich selber, dass ich nicht besser aufpassen konnte und vor allem dann, als mir einfiel, dass ich meine zwei Geldkarten auch in diesem Geldbeutel gelassen hatte, konnte ich über meine Dummheit nur noch den Kopf schütteln. Ich hatte sie nach dem Urlaub in Tansania vergessen wieder aus dem Geldbeutel herrauszuholen. Tja, das wars dann wohl für mich mit Geldkarten. Ich habe sie sofort sperren lassen (obwohl ich bezweifele, dass der Dieb sie überhaupt erfolgreich einsetzten hätte können). Da stand ich nun, kochend vor Wut mit den Kindern am Markt und konnte ohne Geld weder weiterfahren, noch zurück. Zum Glück konnte mir ein älterer Junge das Busgeld bis in das andere Heim leihen und wir kamen dann doch noch an. Dort blies ich dann erst ein Mal Trübsal und versuchte das auch nicht zu verstecken. Die Kinder sollen ruhig merken, dass wir nicht unendlich reich sind und es auch uns etwas ausmacht wenn wir beklaut werden. Allerdings wurde mir auch im selben Moment wieder bewusst, dass es eben nicht so viel ausmacht, dass mir 20 Tausend gestohlen wurden, weil das für mich einfach nicht viel Geld ist (ca.15€). Also habe ich beschlossen, lieber darüber froh zu sein, dass mir überhaupt etwas geklaut werden kann. Es gilt zwar, wer nichts hat kann nichts verlieren, aber es ist doch besser, etwas zu haben, davon etwas zu verlieren und danach immer noch etwas zu haben. Somit habe ich den Diebstahl ziemlich schnell vergessen und erlebte am nächsten Tag auf dem Markt die nächste Überraschung.

Begrüßt werde ich viel, aber zumindest dann wenn mich jemand mit Namen begrüßt, den ich noch nie gesehen habe, werde ich aufmerksam. Manchmal vergesse ich Leute mit denen ich mich unterhalten habe, also fragte ich den jungen Mann, woher wir uns denn kennen und dachte mir nichts weiter dabei. Dann machte er sich daran, aus seinem Geldbeutel ein Passfoto zu holen, ich glaubte er habe mich sicher mit einer anderen Weißen verwechselt, die ihm ihr Foto gegeben hat. Als mir auf dem Foto mein eigenes Gesicht entgegenlächelte staunte ich nicht schlecht. Langsam, aber nur ganz langsam machte es in meinem Kopf klick. Natürlich, das Foto war aus meinem Geldbeutel. Wo er das Foto herhabe, fragte ich. Er habe es auf dem Busboden gefunden, etwas wofür ihn nicht nur ich, sondern die ganze Menschenmasse die sich langsam um uns versammelt hatte, halb tot lachte. Hatte der Dieb also tatsächlich die Unverschämtheit sich hier mir gegenüberzustellen? Ich begann ihn also zu beschuldigen, die Wut von gestern kochte wieder in mir auf, er stritt alles ab, verschwand kurz darauf komischerweise aber doch. Weiterhin war ich von Menschen umringt, von vielen Schaulustigen, um jede Wette aber vor allem von Leuten aus dieser Diebesgruppe, die scheinbar meistens zu mehreren unterwegs sind. Sie sagten, sie wüssten wo ich meinen Geldbeutel zurückbekommen könnte, mit all meinen Papieren, natürlich wussten sie auch alle von meiner Visa – Karte. Nochmals zwanzig Tausend sollte ich zahlen, um das alles zurück zu bekommen. Da die Karten allerdings eh schon gesperrt waren und die wichtigen Dokumente nur aus meinem Blutspenderausweis bestanden, konnte ich mir allerdings den Luxus leisten, ihnen laut und deutlich zu erklären, dass ich Dieben wie ihnen sicher nicht noch mehr Geld geben werde und mit hocherhobenem Mittelfinger abrauschen. J

Mein Passfoto hat sich der Junge, der als auf dem Markt meine Tüten trägt, heimlich an sich gerissen, ein Diebstahl über den ich mit eine Lächeln auf den Lippen hinwegsehen konnte

Meine nächtlichen Abenteuer

Veröffentlicht in Uncategorized am März 4, 2009 von johannaseitz

Da wir hier direkt vor Ort, also im Kinderheim leben, sind wir immer mittendrin statt nur dabei und das manchmal auch ungewollt und außerhalb von gewöhnlichen Arbeitszeiten. Es kommt schon ab und zu einmal vor, dass man nachts aus dem Bett geklopft wird, meistens ein eher nicht so gutes Zeichen sondern eher die Ankündigung eines Notfalls. Jemand hat sich verletzt ist gestürzt oder sonst irgendetwas wo man sich ein Mal wieder von den Freiwilligen die rettende Lösung erhofft. So wurde ich auch die letzte Nacht aus meinen Träumen gerissen und fand vor meiner Tür eine völlig aufgelöste Heimleiterin vor. Am Abend zuvor hatte ein Mädchen über Bauch und Rückenschmerzen geklagt. Sianna, ein 18jähriges Mädchen das seit einigen Monaten bei uns arbeitete und sich um ein behindertes Kind kümmert. Zu erst hatten wir die Vermutung, sie hätte vielleicht ihre Tage, später stellte sich jedoch heraus, dass sie genau diese schon seit vier Monaten nicht mehr hatte und unsere Heimleiterin vermutete, sie wäre möglicherweise schwanger. Am nächsten Morgen wollte sie mit ihr ins Krankenhaus gehen um einen Test zu machen, aber dazu kam es nicht mehr. Nachts um halb fünf stand also die weinende Heimleiterin vor meiner Tür und faselte irgendetwas von einem Baby das komme. Da ich immer noch das mit den vier Monaten im Kopf hatte erwartete ich das aller schlimmste: eine Totgeburt. Barfuss und im Schlafanzug rannten Claire und ich also rüber zu den Mädels, nicht wissend was uns dort erwarten würde. In der Dusche fanden wir Sianna vor, die sich vor Schmerzen krümmte und zitterte. Wir wollten ein Taxi rufen um mit ihr ins Krankenhaus zu gehen, aber das ist Afrika und unser besch..eidenes Handynetz schlief gerade, wie der Rest der Welt. Wir waren so verzweifelt, kamen uns so hilflos vor und hatten keine Ahnung was wir tun sollten. Also beschlossen unsere Heimleiterin und unser Nachtwächter schnell zu Phillip zu laufen, ihn aus dem Bett zu holen damit er Sianna ins Krankenhaus fahren könne. So schnell geht das aber auch wieder nicht, es ist schon ein kleines Stückchen und das Baby hatte beschlossen nicht zu warten. Jeanne, die Frau die sich bei uns um die Babiys kümmert, selbst schon Mutter und nicht so aufgelöst und überfordert wie wir, nahm das ganze in die Hand und gab uns Anweisungen (auf Kirundi) was wir ihr holen sollten. Kurz später war dann auch schon das Baby da, die Nabelschnur ab und alle erleichtert. Ein neuer Tag brach an, die anderen Mädels wachten auf und wunderten sich alle wo denn plötzlich das neugeborene Baby herkam, keiner von ihnen hatte geahnt, dass Sianna schwanger war.

Mutter und Kind

Mutter und Kind

Ich war völlig überwältigt von dem Erlebnis und konnte mich endlich mit eigenen Augen davon überzeugen, dass Schwarze wirklich weiß auf die Welt kommen. Obwohl wir anfangs mit dem Schlimmsten gerechnet hatten und am Ende dann alles gut ausging, das Baby, wenn auch in einer Dusche geboren, gesund und munter war, stellten sich bei mir nicht die zu erwarteten Glücksgefühle ein. Das Baby war zwar wohlauf, aber das machte es auch nicht zu einem Wunschkind. Die Mutter stillte es zwar, aber ihr Gesicht war gezeichnet von Teilnahmslosigkeit, keine Spur von Mutterglück zu finden. Eine unverheiratete 18 jährige Mutter hat es nicht einfach in Burundi und ich ahnte auch schon jetzt, wo das Kind gerade das Licht der Welt erblickt hat, dass es nicht nur schöne Dinge zu sehen bekommen wird. Es wird es nicht einfach haben. Noch am gleichen Tag, wurde Sianna mit Begleitperson heim zu ihrer Familie aufs Land geschickt. Die Begleitperson, damit sie das Baby unterwegs nicht einfach aussetzt oder auf einem Müllhaufen liegen lässt.

Das ist Afrika

Veröffentlicht in Uncategorized am Februar 26, 2009 von johannaseitz

Man könnte meinen nach 6 Monaten würde man hier alles richtig einschätzen können und nichts könnte einen mehr überraschen. Man könnte meinen, wenn man schon oft genug enttäuscht worden ist, bekommt man irgendwann ein dickes Fell. Aber so ist es nicht.

Immer noch gerate ich hier immer wieder an meine Grenzen, denn die kulturellen Unterschiede lassen sich doch nie ganz überbrücken. Und immer dann wenn man sie zu ignorieren versucht, dann schreien sie besonders laut um auf sich Aufmerksam zu machen und einem zu zeigen, dass man noch so vieles lernen muss.

Meine Mutter schickte mir, auf meine Bestellung hin, einen Karton mit all meinen Perlen, Nylonfäden, Drähten und Anhängern, mit denen ich früher immer Ketten, Armbänder und Tiere aus Perlen gemacht habe. Ich habe das früher geliebt und war mir sicher, die Kinder hier würden das auch tun. Meine Mutter hatte extra noch mal neue Perlen dazu gekauft, so hatte ich eine super Ausstattung mit Perlen in allen Größen und Farben. Ich war selbst total begeistert und freute mich schon riesig darauf meine „Schatzkiste“ hervorzuholen. Wie erwartet waren die Kinder begeistert, wir fingen mit den einfachen Krokodilen an, ich habe aber noch ein ganzes Buch voller anderer Tiere und Ketten und so weiter, die wir, wie ich ankündigte, später einmal ausprobieren konnten. Da saß ich also stundenlang mit den Kindern, versuchte zwischendurch ab und zu noch ein wenig Ordnung zu halten, dass sich die verschiedenen Perlfarben nicht vermischten und so weiter. Nach vier, fünf Stunden hatte ich dann irgendwann genug, die meisten Kinder allerdings immer noch nicht, manche kamen auch erst aus der Schule und da ich jedem die Chance lassen wollte, sich eine Kette zu machen, ließ ich die Sachen eben liegen und ging weg. Als ich dann eine knappe Stunde später noch einmal nach dem Rechten schauen wollte, war ich zuerst positiv überrascht, dachte es hätte sich schon jemand daran gemacht aufzuräumen, denn der Tisch der davor noch voller Perlen war, war so gut wie leer….und meine „Schatzkiste“ leider auch. Völlig fassungslos fragte ich, wo denn die ganzen Perlen hin seien, denn egal wie viele Ketten gemacht worden waren, es waren so viele Perlen gewesen, dass sie nie im Leben an einem Nachmittag hätten aufgebraucht werden können. Wie üblich schob es jeder auf den anderen, die Mädels auf die Jungs und andersherum. Scheinbar hatten sich die Kinder teilweise Perlen in Tütchen verpackt und eingesteckt, oder was weiß ich. Alles was ich zurückbekam, waren die Schächtelchen und zwar leer. Und ich hatte mit diesen Perlen so viele tolle Dinge mit den Kindern vor gehabt, wollte so viele Nachmittage damit füllen, ihnen so viel zeigen und dann mussten sie sich mal wieder selbst einen Strich durch die Rechnung ziehen. Vor Wut und Enttäuschung stiegen mir die Tränen in die Augen, was nicht nur die Kinder überraschte sondern mich selbst auch. Wie kann man in Afrika wegen ein paar (tausend) Perlen weinen? Aber darum ging es nicht.

Es geht wie immer ums Prinzip. Darum, dass man motiviert ist und den Kindern etwas aus der eigenen Kindheit mitgeben will und am Ende scheitert man an Afrika. An der eigenen Naivität, an Dingen mit denen man nicht gerechnet hat, vielleicht auch nicht rechnen wollte. Das ist Afrika, sagen wir uns in solchen Momenten immer wieder und uns ist klar, dass wir genau über dieses Afrika noch viel lernen müssen.

Es kostet leider wahnsinnig viel Kraft und vor allem Motivation, wenn man zum Beispiel den ganzen Nachmittag mit den Straßenkindern bastelt und dann endet das Ganze in einem riesen Schlamassel, in dem jeder den anderen anschreit und beschuldigt die Schere geklaut zu haben.

Oder wenn man den Kindern zum Valentinstag ein großes Herzplakat bastelt, mit Bildern von uns drauf und schon ein paar Tage später findet man dieses Herz halb zerissen und natürlich ohne Bilder vor. Da bricht einem doch buchstäblich das Herz.

vorher

vorher

nachher

nachher

Am allerschwierigsten ist es, solche Dinge nicht persönlich zu nehmen, sondern zu akzeptieren, dass die Leute hier so sind, dass Afrika eben so ist. Armut scheint eben auch eine gewisse „moralische Armut“ (auf jeden Fall in unseren Augen) mit sich zu bringen. Uns macht es immer sprachlos, dass sich die Kinder im Straßenheim gegenseitig beklauen und dass das von den anderen einfach akzeptiert wird. Einem der älteren Jungs wurde sein Handy geklaut (für das er sicher lange gespart hat). Es kam heraus, dass es ein Freund von ihm gestohlen hat. Auf die Frage, ob er denn nicht unendlich enttäuscht und wütend sei, lacht er und sagt: „Nein, er ist doch mein Freund.“ Auch das ist Afrika. Manches bleibt für mich unbegreifbar.

Als die Kinder sahen, dass ich wegen der Perlen traurig war, begannen sie übrigens alle Ketten, Armbänder und Krokodile wieder einzusammeln um mir die verlorenen Perlen in dieser Form zurück zu geben. Das wollte ich natürlich nicht annehmen und trotzdem hat es mich gerührt und mir bewiesen, dass keinerlei böse Absichten dahinter steckten. Was da ist, wird eben genommen und jeder hat eben, sicher nicht ohne Grund, Angst zu kurz zu kommen. Hätte ich mir denken müssen.

Scheinbar kann man auch hier auf dem Markt Perlen kaufen und da ich ja eine Muzungu mit einem unerschöpflichen Vermögen bin, ist das somit kein Problem. J

Eine andere Situation wo unsere Logik an der burundischen Kultur zerbrach, ereignete sich nur einen Tag später. Wir unternahmen mit den Mädels aus unserem Heim einen Ausflug ins Straßenkinderheim um die Jungs zu besuchen. Wir waren insgesamt 12 Personen und da die Essensration bei den Straßenjungs eher knapp bemessen ist und wir bei uns genug zu Essen haben, sagten wir zu den Mädels sie sollen hier nichts Essen, wir würden dann später zu Hause essen, damit wir den Jungs nicht ihr Essen wegessen. Klingt logisch, ist es aber nicht. Nicht in Burundi, wo teilen an oberster Stelle steht. Hier heißt es immer, wenn es für einen reicht, reicht es auch für zwei, wenn es für zwei reicht, auch für drei….und so kann man das ins Unendliche fortsetzten. Das Ganze ist jedoch mehr als eine nette Geste sondern ein Muss, das wir mal wieder total unterschätzten. Die Jungs flehten uns regelrecht an, dass wir alle mit ihnen Essen sollten, wir hielten jedoch deutsch und stur an unserer Überzeugung, es besser anders, fest. Einer ging sogar in den Hungerstreik, weil er behauptete er könne nicht Essen, wenn wir nicht auch Essen würden, dass kann er mit seinem Gewissen nicht vereinbaren. Im Nachhinein wurde uns mitgeteilt, dass es für die Jungs so rüberkomme, als wäre ihr Essen ungenießbar und wir deswegen nicht mit ihnen essen wollten. Am Ende hatten wir, die doch so sehr versuchten alles richtig zu machen und die beste Lösung von allen zu wählen, alle gegen uns und eine Lektion mehr gelernt. Nicht alles was bei uns richtig wäre, gilt auch hier. Das ist Afrika, und der der glaubt, er weiß es besser, weiß meistens einfach nur zu wenig.

Fasnet

Veröffentlicht in Uncategorized am Februar 25, 2009 von johannaseitz
die zwei Oberschlaumeier, Gael und Japhet

die zwei Oberschlaumeier, Gael und Japhet

Der kleine Joseph hat endlich Haare

Der kleine Joseph hat endlich Haare

Da wir hier gerade etwas betrübt darüber sind, Fasnet in Deutschland zu verpassen, haben wir als Ersatz wenigstens ein bisschen Fasnacht nach Burundi geholt und es am Fasnachtssonntag zusammen mit den Kindern so richtig krachen lassen.

Was is denn hier los?

Was is denn hier los?

Wer steckt da wohl dahinter?

Wer steckt da wohl dahinter?

Hilfe für Rose

Veröffentlicht in Uncategorized am Februar 20, 2009 von johannaseitz

Wir haben hier in unserem Heim ein Mädchen, dass unter der Krankheit aplastische Anämie leidet. Ohne Behandlung zwar tötlich, mit Behandlung allerdings mit ziemlich hoher Wahrscheinlichkeit heilbar. Das Problem ist nur, dass diese Behandlung in Deutschland stattfinden muss und zwar in der Uni Klinik in Freiburg. Dafür ist natürlich noch einiges an Geld nötig, wer mehr Informationen will, kann sich auf der Seite www.rose-soll-leben.de

Unter anderem werden auch noch Unterkünfte in Freiburg und Nähe gesucht, wo Rose und eine Begleitperson für einige Zeit unterkommen können.

Bergfest?

Veröffentlicht in Uncategorized am Februar 19, 2009 von johannaseitz

Heute ist der 19. Februar und genau die Hälfte von meinem Jahr in Burundi ist nun geschafft. Ist sie nun geschafft, oder leider schon vorbei? Ein Grund zum feiern? Natürlich stehe ich dem Ganzen mit zwiespältigen Gefühlen gegenüber. Ich vermisse euch daheim, ich vermisse ganz Deutschland und ich freue mich schon riesig auf das Wiedersehen. Aber irgendwie bin ich auch hier mittlerweile richtig zu Hause und der Abschied von hier wird mir unendlich schwer fallen. Ein halbes Jahr bleibt, und anstatt in Gedanken schon so weit voraus zu sein, werde ich auf afrikanische Art und Weise einfach versuchen den Moment zu leben und somit so viel wie möglich aus meiner Zeit hier mit zu nehmen.

Momentan habe ich leider die Krippe, bin aber schon wieder auf dem Weg der Besserung. Manche beginnen schon, sich darüber zu beschweren, dass ich seltener schreibe und das tut mir wirklich Leid. Nur ist es so, dass ich jetzt nach so langer Zeit hier, eben nicht mehr so viel neue Erfahrungen mache.
Ich arbeite immer noch im Kindergarten, besser gesagt in Kindergärten, mittlerweile sind es drei, in denen ich abwechselnd vorbei schaue. In den Nachmittagen bin ich jetzt auch öfters im Straßenkinderheim, wo die großen Jungs aus unserem Heim hingezogen sind, um unter anderem Computerkurse zu geben, Spiele zu spielen, mich zu unterhalten und, wie ihr mich kennt, natürlich auch um mit den Kindern Quatsch zu machen. Manchmal habe ich das Gefühl, ich bin dass allergrößte Kind von allen. Die Leute müssen sich heimlich an den Kopf langen, wenn ich in der Schule auf dem Pausenhof kreischend vor 60 verrückt gewordenen Kindergartenkindern wegrenne, die mich dann doch irgendwann erwischen und sich alle begeistert auf mich schmeißen. Ich selbst habe dabei mindestens so viel Spaß wie die Kinder. :-)
Na ja, zurück zum Straßenkinderheim. Also die meisten unserer Jungs mussten da hin ziehen und dort erst ein Mal das wahre Leben kennen lernen, als ihnen von den anderen Jungs so einiges geklaut wurde, bis hin zu Schuluniformen und Heften. Also habe ich von den Spendengeldern, die ich noch aus Deutschland mitgebracht habe (Danke!!!) Boxen und Schlösser gekauft, damit sie wenigstens ihren kleinen Besitz gut und sicher verwahren können.
Euch wünsche ich eine schöne Fasnet-Zeit (ohne mich  ). Übertreibst nicht, mit dem Feiern! ;-)

Zanzibar

Veröffentlicht in Uncategorized am Februar 5, 2009 von johannaseitz

Am 6. Januar war es endlich so weit und ich durfte meinen Freund vom Flughafen abholen. (Das Flugzeug landete auf die Minute pünktlich!!!) Wenige Tage später haben wir uns dann auch schon auf unseren Weg zu unserem weitentfernten Reiseziel gemacht: Zanzibar. Eine traumhafte Insel, die von Europa aus jedoch leichter zu erreichen ist, wie von Burundi, dem Nachbarland Tansanias. Von Deutschland aus dauert der Flug vielleicht 8,9 Stunden, wir haben 5 Tage gebraucht um Zanzibar letztendlich zu erreichen. Die Busfahrt führte über Pisten mit Schlaglöchern so tief wie Seen und unser Busfahrer verwechselte das ein oder andere Mal das Gaspedal mit den Bremsen. Gut dass wir ganz Hinten saßen, auf den Plätzen auf denen man am höchsten in die Luft fliegt. Anfangs fanden wir das noch ganz spaßig, irgendwann wurde es jedoch schmerzhaft. Ein Schlagloch raubte mir wortwörtlich den Atem, ich bekam keine Luft mehr, als ob ich auf den Rücken gefallen wäre. Was hatten wir auch erwartet, unsere Buscompany hieß Adventure, da musste das wohl so ablaufen. Ein anderes Abenteuer waren die äußerst seltenen Pinkelpausen. Ihr könnt euch nicht vorstellen, wie ich mich nach durchsichtigen Büschen über ein versch***enes Plumsklo gefreut habe. Und trotzdem, irgendwann kamen wir dann in Dar es Salam an, wo wir dann auf einer Fähre, für die wir den doppelten Preis zahlten, da wir in eine Touristenfalle tappten nach Zanzibar übersetzten.

Einer der wunderschönen Seesterne

Einer der wunderschönen Seesterne

Auf der Fähre, in der man als Weißer automatisch in die VIP Lounge geführt wird, lernten wir dann gleich noch vier andere Backpackers kennen, zwei Australier, eine Australierin und eine Norwegerin. Unsere Gemeinsamkeit, dass wir alle keinen wirklichen Plan hatten, wo auf Zanzibar wir eigentlich hinsollten, führte uns zusammen. Wir entschieden uns zusammen an den gleichen Ort zu fahren, entschieden alle gemeinsam dort dann länger zu bleiben, als wir anfangs geplant hatten und die anderen vier verlängerten sogar noch ihre Zeit auf Zanzibar und somit verbrachten wir eine ganze und großartige Woche zusammen. Da wir alle jung sind und das Geld brauchen schlugen wir überall Gruppenrabatte heraus, einmal bekamen wir nach langen Verhandlungen sogar das Essen in einem Restaurant billiger. Nungwi, eine kleine Stadt im Norden, in der wir fast unsere ganze Zeit auf Zanzibar verbrachten, hat die wunderschönsten Strände zu bieten, und zusetztlich noch ein recht anschauliches Nachtleben, eine Strandbar direkt neben unserem Hotel, dass natürlich auch direkt am Strand war. Die Strandnähe war aber noch gar nicht das Beste, für mich wurde sie eindeutig von dem Warmwasser getoppt, das ich in dem letzten halben Jahr mehr als zu schätzen gelernt habe. Somit verbrachte ich pro Tag mindestens eine halbe Stunde unter der heißen Dusche, um diesen Luxus so gut es geht auszunutzen. Tagsüber lagen wir am Strand, bei Ebbe liefen wir durch das seichte Wasser in dem man allerlei erstaunliche Tiere entdeckte, wir machten eine Schnorcheltour an einem Korallenriff, eine Bootstour auf der wir Delphine sahen, wir besuchten den letzten erhaltenen Urwald mit seinen unzähligen Affen und wir schwammen mit Riesenschildkröten. Abends ließen wir den Tag dann meistens an einem Lagerfeuer am Strand ausklingen. Gemeinsam mit Einheimischen und einer Gitarre lernten wir den ein oder anderen Song auf Suaheli.

paradiesischer Strand

paradiesischer Strand

Domi& ich am Strand, beziehungsweise direkt vor unserer Haustüre

Domi& ich am Strand, beziehungsweise direkt vor unserer Haustüre

Ich mit Schildgröte auf dem Schoß

Ich mit Schildgröte auf dem Schoß

Auf Zanzibar sind Touristen schon lange nichts mehr Besonderes (ganz im Gegensatz zu Burundi) und ich glaube ich habe kein einziges Mal das Wort Muzungu gehört (schon allein das ist Urlaub!!). Allerdings hat es nicht nur positive Folgen, wenn sich die Bevölkerung auf den Tourismus eingestellt hat. Alles ist darauf ausgelegt die Touristen ordentlich abzuzocken. Ständig wird man angesprochen, jeder zweite will dir etwas verkaufen, oder dir eine Schnorcheltour andrehen oder dich heiraten. Kinder, die sich beim Anblick einer Fotokamera alle begeistert auf das Bild drängen, wie ich es aus Burundi gewohnt bin, sind hier ausgestorben. Hier muss man vorher um Erlaubnis Fragen und die Antwort lautet immer gleich: “Money!“
Wir „freundeten“ uns gleich am ersten Abend mit Zanzibanern (Zanzibanesen?) an, die in den Hotels oder in Touri-Läden arbeiteten. Eigentlich verstanden wir uns mit denen ganz gut, und doch mussten wir irgendwann resigniert feststellen, dass die Gespräche immer wieder aufs Gleiche hinausliefen: Kaufst du mir einen Drink? ; Kaufst du bevor du gehst, noch etwas in meinem Laden? ; Kaufst du meine CD und verbreitest sie in Europa? und zu Guter letzt „Kannst du mir in Europa eine Frau besorgen? Komm doch das nächste Mal bitte mit all deinen Freundinnen.“ Das macht einen traurig und wütend, aber eigentlich kann man es ihnen gar nicht übel nehmen. Sie sind wirklich verzweifelt, von Zanzibar und ihrem eintönigen Leben wegzukommen, sie wollen nichts davon hören, dass sie bereits im Paradies leben. Wie sollen sie das auch wissen, sie habe ihre kleine Insel ja noch nie verlassen. Deshalb jagen sie unerreichbaren Träumen hinterher, wie Kazuku, der in Deutschland auf einem Bauernhof arbeiten will um dort Ananassen (Ananässer?) und Avocados anzubauen. Als wir ihn darüber aufklärten, dass das nicht möglich ist, schaute er schon ein bisschen doof aus der Wäsche, ließ sich von seinem Traum Deutschland jedoch nicht abbringen.

unsere internationale Muzungutruppe

unsere internationale Muzungutruppe

Ich glaub ich steh im Urwald ;-)

Ich glaub ich steh im Urwald ;-)

Ein Grund, dass einen auf Zanzibar jeder versucht einen zu verarschen und auszunutzen ist wohl der, dass die Touristen hier das auch Größtenteils mit sich machen lassen. Die Leute hier sind zwar in Afrika aber eben doch alles andere als Afrikaurlauber. Sie merken wohl nicht, was da abläuft und das sie für alles viel zu viel bezahlen und somit kommt es, dass man im Restaurant sein Wechselgeld nicht zurück bekommen, wenn man nicht extra noch einmal danach fragt, weil es der Mehrheit wohl überhaupt nicht auffällt oder es sie einfach nicht interessiert. Am Meisten schockiert war ich jedoch von der Spezie Sextourist. Im Gegenteil zu Burundi wo man die alten Männer mit den jungen Frauen sieht, waren es hier, nicht ein Mal all zu alte Frauen, die hinter den Rastamännern her waren und das in einem Outfit, das in einem muslimischen Land mehr als unangebracht war.

Am Ende des Urlaubs, kam der Abschied von unseren vier Reisegefährten, die mir in dieser Woche bereits unglaublich ans Herz gewachsen sind. Ich habe es unendlich genossen, Mal wieder (weiße) Leute in meinem Alter zu treffen. Hier in Burundi haben wir davon nämlich nur uns vier. Zwei Tage verbrachte ich dann noch mit Fieber im Bett und die Rückreise trat ich nicht in dem allerbesten Zustand an, was sie nicht gerade angenehmer machte. Wieder dauerte es vier Tage, mit dem Höhepunkt zum Schluss. Unser letzter Bus, der uns zurück nach Burundi bringen sollte, war nicht nur sehr klein, sonder vor allem sehr überfüllt. Mein Rücken schmerzte noch von der Busfahrt, der letzten zwei Tage und meine Migräne brachte mich bei jedem Schlagloch (und davon gab es nicht zu wenige) um. Zu allem Überfluss begann es zu regnen, unser Bus ruschte von dem einen Graben auf der einen Straßenseite in den Anderen auf der anderen Seite, alle 10 Meter mussten wir aussteigen und den Bus schieben (zum Glück nur die Männer, die dann von oben bis unten mit Schlamm bespritz waren). Das letzte Stück nach Burundi mussten wir dann mit all unserem Gepäck auf dem Gepäckträger eines Fahrrad-Taxis, schlammige Abhänge herunter, zurücklegen. Ich warf vor Kopfschmerzen eine Schmerztablette nach der anderen ein, als dann auch noch mein Freund Dominik Fieber bekam, was dazu führte dass wir an diesem Abend auch noch, völlig entkräftigt in ein Krankenhaus mussten und mit unserem letzen Geld den zweiten Malariatest in diesen zwei Wochen machen ließen. Trotz meiner Erschöpfung, war es schön wieder in Bujumbura anzukommen. So, wie es sich eben anfühlt, zurück nach Hause zu kommen.

Danach blieb mir eine Woche Urlaub um Dominik Burundi zu zeigen. Der Alltag holte mich jedoch sehr schnell wieder ein, als ich erfuhr, dass einer unserer Jungs abgehauen ist, es dem leukämiekranken Mädchen in unserem Heim wieder deutlich schlechter ging, dass ein aidskrankes Mädchen von uns, seit zwei Wochen eine schlimme Krippe hatte und mittlerweile bei über 40C° Fieber angekommen ist und auch Dominik ging es schlechter und schlechter. Am liebsten wäre ich sofort wieder nach Zanzibar abgehauen (nur nicht mit dem Bus). Hakuna Matata, hätte man mir da gesagt und es stimmt, es ist wieder alles in Ordnung gekommen. Der Junge ist zurück gekommen, das leukämiekranke Mädchen hat doch keine Leukämie sondern eine andere Krankheit die leichter zu heilen ist, und auch das aidskranke Mädchen ist wieder geheilt, nicht von Aids aber immerhin von der Krippe. Auch Dominik erholte sich, nach einem Besuch beim Arzt und Laboruntersuchungen, die Bakterien in seinem Magen feststellten, mit Hilfe von Antibiotikum wieder recht schnell und so konnten wir die letzte Woche Urlaub doch noch genießen. Zum ersten Mal nahm ich Bujumbura aus der Sicht eines Touristen wahr, erstaunte Dominik mit allen möglichen Dingen, die für mich längst das normalste der Welt geworden sind und entdeckte aber auch selbst noch aufregende Sehenswürdigkeiten Burundis, beispielsweise im Musée vivant (dem lebendigen Museum) in dem wir Meerschweinchen an Krokodile verfüttert haben. Wie es mit Urlaub leider immer der Fall ist, vergingen die vier Wochen wie im Fluge und schon musste ich wieder an den Flughafen, dieses Mal weniger glücklich. Allerdings freue ich mich auch, jetzt wieder voll und ganz für die Kinder da zu sein, die ich während ich unterwegs war, bereits total vermisst habe. Durch die Auszeit, die für mich wirklich notwendig war, kann ich die Dinge jetzt wieder mit neuer Motivation und Kraft anpacken.

Ein Frohes Neues Jahr an Euch alle!!!

Veröffentlicht in Uncategorized am Januar 2, 2009 von johannaseitz

Natürlich wird auch hier in Burundi Silvester gefeiert. Nur der bei uns wohl wichtigste Teil, das Feuerwerk, ist hier verboten und das aus guten Gründen. Denn hier verbinden die Menschen fliegende Feuergeschösse in der Luft leider nicht mit Silvester sondern mit Krieg. Letztes Jahr hat es sich ein Hotel wohl erlaubt ein Feuerwerk loszulassen, worauf hin plötzlich überall geschossen (hoffentlich nur in die Luft) wurde.
Gestern habe ich mit den Kindern eine Reportage über die FNL Rebellen im Fernsehen angesehen und als ein Schuss fiel haben sich alle zu Tode erschrocken, geschrien und sind teilweise sogar in Deckung gegangen. Eine traurige Erinnerung daran, dass es hier nicht immer so friedlich war, wie es jetzt zu sein scheint.

Traurige Neuigkeiten

Veröffentlicht in Uncategorized am Dezember 29, 2008 von johannaseitz

„Mein“ Arno, dass Kind dass mit gefolgt ist, ist nicht mehr hier. Die Geschichte von seinen toten Eltern war frei erfunden, er hat noch beide Elternteile. Jedoch sind sie geschieden, haben beide einen neuen Partner, die Arno jeweils nicht zu aktzeptieren scheinen. Ob das viel besser ist, ist die Frage. In der Annahme, er sei ein Straßenkind, haben wir ihn ins Straßenkinderheim gesteckt, obwohl er bei uns im Waisenheim bleiben wollte. Er stand nach einigen Tagen jedoch wieder vor unserer Tür, behauptete er könne nicht im Straßenkinderheim bleiben, weil die anderen Jungs ihn schlagen würden und ihm schlimme Dinge androhen. Weil wir nie wissen, welche Geschichten wahr sind, und welche nicht (und er bereits gelogen hatte) und weil sich Straßenkinder gegenseitig eben nicht mit Samthandschuhen behandeln, schickten wir ihn zurück. Nach einigen Tagen verschwand er jedoch und ist bis jetzt nicht mehr aufgetaucht. Auch seine Eltern wissen nicht wo er ist. Anfangs war ich sehr wütend auf ihn, weil ich ihn mitgenommen hatte und er nur Lügengeschichten auftischt und mit dem was er bekommt dann nicht einmal zufrieden ist, aber meine Wut hat sich mittlerweile in Sorge umgewandelt. Immerhin ist er nur ein Kind und das er das Leben auf der Straße seinen Eltern vorzieht wird gute Gründe haben. Ich hoffe er kommt zurück, aber seit seinem Verschwinden sind jetzt schon fast zwei Wochen vergangen…
Die nächste traurige Nachricht ist, dass die Jungs aus unserem Waisenheim jetzt ins Straßenkinderheim umziehen müssen, da wir das Jungshaus für andere Zwecke benötigen um die teure Miete weiterhin bezahlen zu können. Klar, die Jungs sind nicht aus der Welt sondern nur in unserem anderem Heim, wo man mich in Zukunft jetzt wohl öfters auffinden wird, aber trotzdem geht mir das ganze ziemlich Nahe. Immerhin haben wir 5 Monate mit ihnen zusammen gewohnt und das ist jetzt einfach nicht mehr das Gleiche.
Im Großen und Ganzen bin ich deswegen momentan ein wenig niedergeschlagen und bin froh, dass ich im Januar Urlaub habe und mal eine Auszeit nehmen kann und freue mich natürlich vor allem darauf, dass mein Freund in einer Woche kommt. :-)