Am 6. Januar war es endlich so weit und ich durfte meinen Freund vom Flughafen abholen. (Das Flugzeug landete auf die Minute pünktlich!!!) Wenige Tage später haben wir uns dann auch schon auf unseren Weg zu unserem weitentfernten Reiseziel gemacht: Zanzibar. Eine traumhafte Insel, die von Europa aus jedoch leichter zu erreichen ist, wie von Burundi, dem Nachbarland Tansanias. Von Deutschland aus dauert der Flug vielleicht 8,9 Stunden, wir haben 5 Tage gebraucht um Zanzibar letztendlich zu erreichen. Die Busfahrt führte über Pisten mit Schlaglöchern so tief wie Seen und unser Busfahrer verwechselte das ein oder andere Mal das Gaspedal mit den Bremsen. Gut dass wir ganz Hinten saßen, auf den Plätzen auf denen man am höchsten in die Luft fliegt. Anfangs fanden wir das noch ganz spaßig, irgendwann wurde es jedoch schmerzhaft. Ein Schlagloch raubte mir wortwörtlich den Atem, ich bekam keine Luft mehr, als ob ich auf den Rücken gefallen wäre. Was hatten wir auch erwartet, unsere Buscompany hieß Adventure, da musste das wohl so ablaufen. Ein anderes Abenteuer waren die äußerst seltenen Pinkelpausen. Ihr könnt euch nicht vorstellen, wie ich mich nach durchsichtigen Büschen über ein versch***enes Plumsklo gefreut habe. Und trotzdem, irgendwann kamen wir dann in Dar es Salam an, wo wir dann auf einer Fähre, für die wir den doppelten Preis zahlten, da wir in eine Touristenfalle tappten nach Zanzibar übersetzten.

Einer der wunderschönen Seesterne
Auf der Fähre, in der man als Weißer automatisch in die VIP Lounge geführt wird, lernten wir dann gleich noch vier andere Backpackers kennen, zwei Australier, eine Australierin und eine Norwegerin. Unsere Gemeinsamkeit, dass wir alle keinen wirklichen Plan hatten, wo auf Zanzibar wir eigentlich hinsollten, führte uns zusammen. Wir entschieden uns zusammen an den gleichen Ort zu fahren, entschieden alle gemeinsam dort dann länger zu bleiben, als wir anfangs geplant hatten und die anderen vier verlängerten sogar noch ihre Zeit auf Zanzibar und somit verbrachten wir eine ganze und großartige Woche zusammen. Da wir alle jung sind und das Geld brauchen schlugen wir überall Gruppenrabatte heraus, einmal bekamen wir nach langen Verhandlungen sogar das Essen in einem Restaurant billiger. Nungwi, eine kleine Stadt im Norden, in der wir fast unsere ganze Zeit auf Zanzibar verbrachten, hat die wunderschönsten Strände zu bieten, und zusetztlich noch ein recht anschauliches Nachtleben, eine Strandbar direkt neben unserem Hotel, dass natürlich auch direkt am Strand war. Die Strandnähe war aber noch gar nicht das Beste, für mich wurde sie eindeutig von dem Warmwasser getoppt, das ich in dem letzten halben Jahr mehr als zu schätzen gelernt habe. Somit verbrachte ich pro Tag mindestens eine halbe Stunde unter der heißen Dusche, um diesen Luxus so gut es geht auszunutzen. Tagsüber lagen wir am Strand, bei Ebbe liefen wir durch das seichte Wasser in dem man allerlei erstaunliche Tiere entdeckte, wir machten eine Schnorcheltour an einem Korallenriff, eine Bootstour auf der wir Delphine sahen, wir besuchten den letzten erhaltenen Urwald mit seinen unzähligen Affen und wir schwammen mit Riesenschildkröten. Abends ließen wir den Tag dann meistens an einem Lagerfeuer am Strand ausklingen. Gemeinsam mit Einheimischen und einer Gitarre lernten wir den ein oder anderen Song auf Suaheli.

paradiesischer Strand

Domi& ich am Strand, beziehungsweise direkt vor unserer Haustüre

Ich mit Schildgröte auf dem Schoß
Auf Zanzibar sind Touristen schon lange nichts mehr Besonderes (ganz im Gegensatz zu Burundi) und ich glaube ich habe kein einziges Mal das Wort Muzungu gehört (schon allein das ist Urlaub!!). Allerdings hat es nicht nur positive Folgen, wenn sich die Bevölkerung auf den Tourismus eingestellt hat. Alles ist darauf ausgelegt die Touristen ordentlich abzuzocken. Ständig wird man angesprochen, jeder zweite will dir etwas verkaufen, oder dir eine Schnorcheltour andrehen oder dich heiraten. Kinder, die sich beim Anblick einer Fotokamera alle begeistert auf das Bild drängen, wie ich es aus Burundi gewohnt bin, sind hier ausgestorben. Hier muss man vorher um Erlaubnis Fragen und die Antwort lautet immer gleich: “Money!“
Wir „freundeten“ uns gleich am ersten Abend mit Zanzibanern (Zanzibanesen?) an, die in den Hotels oder in Touri-Läden arbeiteten. Eigentlich verstanden wir uns mit denen ganz gut, und doch mussten wir irgendwann resigniert feststellen, dass die Gespräche immer wieder aufs Gleiche hinausliefen: Kaufst du mir einen Drink? ; Kaufst du bevor du gehst, noch etwas in meinem Laden? ; Kaufst du meine CD und verbreitest sie in Europa? und zu Guter letzt „Kannst du mir in Europa eine Frau besorgen? Komm doch das nächste Mal bitte mit all deinen Freundinnen.“ Das macht einen traurig und wütend, aber eigentlich kann man es ihnen gar nicht übel nehmen. Sie sind wirklich verzweifelt, von Zanzibar und ihrem eintönigen Leben wegzukommen, sie wollen nichts davon hören, dass sie bereits im Paradies leben. Wie sollen sie das auch wissen, sie habe ihre kleine Insel ja noch nie verlassen. Deshalb jagen sie unerreichbaren Träumen hinterher, wie Kazuku, der in Deutschland auf einem Bauernhof arbeiten will um dort Ananassen (Ananässer?) und Avocados anzubauen. Als wir ihn darüber aufklärten, dass das nicht möglich ist, schaute er schon ein bisschen doof aus der Wäsche, ließ sich von seinem Traum Deutschland jedoch nicht abbringen.

unsere internationale Muzungutruppe

Ich glaub ich steh im Urwald
Ein Grund, dass einen auf Zanzibar jeder versucht einen zu verarschen und auszunutzen ist wohl der, dass die Touristen hier das auch Größtenteils mit sich machen lassen. Die Leute hier sind zwar in Afrika aber eben doch alles andere als Afrikaurlauber. Sie merken wohl nicht, was da abläuft und das sie für alles viel zu viel bezahlen und somit kommt es, dass man im Restaurant sein Wechselgeld nicht zurück bekommen, wenn man nicht extra noch einmal danach fragt, weil es der Mehrheit wohl überhaupt nicht auffällt oder es sie einfach nicht interessiert. Am Meisten schockiert war ich jedoch von der Spezie Sextourist. Im Gegenteil zu Burundi wo man die alten Männer mit den jungen Frauen sieht, waren es hier, nicht ein Mal all zu alte Frauen, die hinter den Rastamännern her waren und das in einem Outfit, das in einem muslimischen Land mehr als unangebracht war.
Am Ende des Urlaubs, kam der Abschied von unseren vier Reisegefährten, die mir in dieser Woche bereits unglaublich ans Herz gewachsen sind. Ich habe es unendlich genossen, Mal wieder (weiße) Leute in meinem Alter zu treffen. Hier in Burundi haben wir davon nämlich nur uns vier. Zwei Tage verbrachte ich dann noch mit Fieber im Bett und die Rückreise trat ich nicht in dem allerbesten Zustand an, was sie nicht gerade angenehmer machte. Wieder dauerte es vier Tage, mit dem Höhepunkt zum Schluss. Unser letzter Bus, der uns zurück nach Burundi bringen sollte, war nicht nur sehr klein, sonder vor allem sehr überfüllt. Mein Rücken schmerzte noch von der Busfahrt, der letzten zwei Tage und meine Migräne brachte mich bei jedem Schlagloch (und davon gab es nicht zu wenige) um. Zu allem Überfluss begann es zu regnen, unser Bus ruschte von dem einen Graben auf der einen Straßenseite in den Anderen auf der anderen Seite, alle 10 Meter mussten wir aussteigen und den Bus schieben (zum Glück nur die Männer, die dann von oben bis unten mit Schlamm bespritz waren). Das letzte Stück nach Burundi mussten wir dann mit all unserem Gepäck auf dem Gepäckträger eines Fahrrad-Taxis, schlammige Abhänge herunter, zurücklegen. Ich warf vor Kopfschmerzen eine Schmerztablette nach der anderen ein, als dann auch noch mein Freund Dominik Fieber bekam, was dazu führte dass wir an diesem Abend auch noch, völlig entkräftigt in ein Krankenhaus mussten und mit unserem letzen Geld den zweiten Malariatest in diesen zwei Wochen machen ließen. Trotz meiner Erschöpfung, war es schön wieder in Bujumbura anzukommen. So, wie es sich eben anfühlt, zurück nach Hause zu kommen.
Danach blieb mir eine Woche Urlaub um Dominik Burundi zu zeigen. Der Alltag holte mich jedoch sehr schnell wieder ein, als ich erfuhr, dass einer unserer Jungs abgehauen ist, es dem leukämiekranken Mädchen in unserem Heim wieder deutlich schlechter ging, dass ein aidskrankes Mädchen von uns, seit zwei Wochen eine schlimme Krippe hatte und mittlerweile bei über 40C° Fieber angekommen ist und auch Dominik ging es schlechter und schlechter. Am liebsten wäre ich sofort wieder nach Zanzibar abgehauen (nur nicht mit dem Bus). Hakuna Matata, hätte man mir da gesagt und es stimmt, es ist wieder alles in Ordnung gekommen. Der Junge ist zurück gekommen, das leukämiekranke Mädchen hat doch keine Leukämie sondern eine andere Krankheit die leichter zu heilen ist, und auch das aidskranke Mädchen ist wieder geheilt, nicht von Aids aber immerhin von der Krippe. Auch Dominik erholte sich, nach einem Besuch beim Arzt und Laboruntersuchungen, die Bakterien in seinem Magen feststellten, mit Hilfe von Antibiotikum wieder recht schnell und so konnten wir die letzte Woche Urlaub doch noch genießen. Zum ersten Mal nahm ich Bujumbura aus der Sicht eines Touristen wahr, erstaunte Dominik mit allen möglichen Dingen, die für mich längst das normalste der Welt geworden sind und entdeckte aber auch selbst noch aufregende Sehenswürdigkeiten Burundis, beispielsweise im Musée vivant (dem lebendigen Museum) in dem wir Meerschweinchen an Krokodile verfüttert haben. Wie es mit Urlaub leider immer der Fall ist, vergingen die vier Wochen wie im Fluge und schon musste ich wieder an den Flughafen, dieses Mal weniger glücklich. Allerdings freue ich mich auch, jetzt wieder voll und ganz für die Kinder da zu sein, die ich während ich unterwegs war, bereits total vermisst habe. Durch die Auszeit, die für mich wirklich notwendig war, kann ich die Dinge jetzt wieder mit neuer Motivation und Kraft anpacken.