Wasser- Fluch und Segen
Momentan ist Regenzeit. Das ist gut, für die Landschaft und für die Felder, aber es bringt auch einige Komplikationen mit sich. Den der Regen, vor allem hier im Landesinneren, ist nicht unbedingt das, was wir uns unter Regen vorstellen. Hier könnte man ihn teilweise mehr mit einem überdimensionalen Wasserfall vergleichen. Wenn es hier richtig regnet, kommt das Leben zum Stillstand. Jeder stellt sich irgendwo unter, die Hütten stehen offen, wenn man unterwegs ist, darf man sich auch bei Fremden unterstellen. Selbst die Ziegen wollen sich in die Hütten fliehen, doch sie werden mit Tritten wieder vertrieben, denn es drängen sich bereits genügend Menschen darin. Ich starre ungläubig in einen Regen wie ich ihn noch nie gesehen habe, und er trommelt mit einer Wahnsinns Wucht gegen das Wellblechdach, so dass man kein Wort mehr versteht. Ich versuche mir vorzustellen wie es ist, in diesem Regen unterwegs zu sein, die Wassermassen die hier herunter klatschen müssen schmerzhaft sein und ich frage mich ernsthaft ob da draußen überhaupt noch genug Sauerstoffgehalt in der Luft ist. Genauso schnell und unvermittelt, wie der Regenschauer begann, hört er auch wieder auf. Es scheint unheimlich still. Die Sonne kommt wieder heraus. Die Wege sind nun zu Flüssen geworden, dass Wasser bahnt sich seine Wege nach unten. Teilweise können somit Regenfälle im Landesinneren zu Überschwemmungen in der Hauptstadt Bujumbura führen.
Auch die letzten zwei Nächte hat es wie aus Eimern geschüttet, ich konnte vor lauter Lärm nicht mehr schlafen. Und während ich in meinem warmen Bett liege, denke ich an die Menschen, in ihren Lehmhütten, die nun wohl senkrecht stehen und denen das Wasser durch die Hütten strömt.
Und obwohl hier so viel Wasser von oben kommt, kommt verhältnismäßig wenig Wasser aus der Leitung. Manchmal den ganzen Tag lang nicht. In der Trockenzeit manchmal tagelang nicht. Hier habe ich Wasser schätzen gelernt, und auch wenn ich mich mit eiskaltem Wasser aus Eimern wasche, genieße ich es hier, wie sonst nirgendwo. Und wenn dann der eine Wasserhahn hier im Kinderheim tatsächlich Wasser ausspuckt, dann ist hier die Hölle los. Alle rennen, schnappen sich ne Seife und ihre dreckigen Klamotten, und alles was waschbar ist, wird gewaschen. Wenn ich mich jedoch mit dem Wäsche-per- Handwaschen versuche, werde ich mitleidig ausgelacht. Und wirklich, obwohl ich sechsmonatige Erfahrung habe, kann ich es überhaupt nicht. Wenn ein Fleck in meiner Kleidung ist, dann bleibt der da auch, egal wie sehr ich rubbel. Die Kinder können das nicht länger mit ansehen und helfen mir, das Wasser wird peinlich dreckig, fast schwarz und die Kinder fragen mich, ob ich denn auf der Straße lebe. Danach sind meine Kleider so sauber wie noch nie. Keine Waschmaschine ist so gründlich. Wenn es Wasser gibt, läuft der Wasserhahn ohne Unterbrechung, alle Kanister und Sammelbecken werde aufgefüllt, man was weiß ja nie, wann es wieder Wasser geben wird.


März 22, 2010 um 9:21 vormittags
liebe Johanna,
du hast so viel zu erzählen, dass man bald nicht mehr mit Lesen nachkommt. Trotzdem freue ich mich jedes Mal, wenn ich wieder neue “storys” von dir entdecke, die wirklich wie aus einer vollkommen anderen Welt stammen. Die Wandbilder sind erstaunlich kreativ und phantasievoll. Das hat sicher allen Spaß gemacht!
Dein “Geständnis” hinsichtlich des Buddhismus hat mich natürlich überrascht, zumal du ja nicht an Asien, sondern an Afrika dein Herz verloren hast.
Da du nichts mehr davon schreibst. nehme ich an, dass du inzwischen wieder vollkommen gesund bist und die letzten Wochen in Burundi noch genießen kannst.
Dies wünscht dir
dein Opa