Wieder im Landesinneren
Bis jetzt habe ich ja nur Positives vom Landesinneren berichtet und mir gefällt es auch weiterhin gut, aber natürlich gibt es auch hier Dinge die mir Probleme bereiten. Daran kein fließend Wasser zu haben, habe ich mich ja bereits gewöhnt aber mit der Trockenzeit wird hier noch eins oben draufgesetzt: Jetzt gibt es oft überhaupt kein Wasser mehr, oder nur morgens. Wenn man ansonsten noch Wasser will, muss das weit weg mit Kanistern geholt werden, was natürlich nur in bescheidenen Mengen möglich ist. Aber wie mit allem, steigt der Wert des Wassers umso weniger es wird. Es ist erstaunlich wie man sich über Wasser freuen kann, wie wenig Wasser ausreicht um sich zu waschen und dass man sich selbst wenn das Wasser dreckig ist, danach sauberer fühlt. Nur meine Haarwaschaktionen sind eine extreme Wasserverschwendung, weswegen ich diese schon so weit wie möglich reduziert habe. Kurzhaarfrisuren haben ganz klar ihre Vorteile, aber in dem Punkt lass ich nicht mit mir reden.
Ein anderer Punkt ist das einseitige Essen unter dem ich so langsam zu leiden beginne. Dabei strengt sich der Koch hier echt an, zumindest ein wenig Abwechslung rein zu bringen. Aber die Hauptnahrungsmittel sind und bleiben eben Reis und Bohnen, und das oft zweimal am Tag. Ich schäme mich allerdings ein bisschen dafür, dass ich mich darüber zumindest im Stillen schon beschwere, wenn ich an die Kinder denke, die Tag ein, Tag aus ihren Maisbrei mit Bohnen Essen. Für sie ist Reis schon ein Fest und für mich immer mehr der Untergang. Ausgerechnet musste ich natürlich auch noch einen Roman lesen, der in Italien spielte, und immer sehr ausführlich das Essen dort beschrieb. Das war nicht gerade hilfreich, ich bin fast die Wände hochgegangen.
Letztes Wochenende habe ich dann Urlaub in Bujumbura gemacht. Wellness-, Party- und Schlemmerurlaub kann man fast sagen. Ich habe die ganze Zeit nichts anderes gemacht als mich mit Leckereien voll gestopft, Bohnen und Reis strengstens vermieden, vor Freude singend und tanzend unter der Dusche gestanden und Bujumburas einmaliges Nachtleben genossen. Somit sehe ich diese ganze Erfahrung doch als etwas sehr Positives an, manchmal braucht es genau so etwas, damit man die kleinen, eigentlich riesig großen Freuden im Alltag wieder zu schätzen lernt.
Ein anderer Punkt, bei dem es mich selbst überrascht hat, dass er mir nach so langer Zeit noch etwas anhaben kann, hängt wie immer mit meiner Hautfarbe zusammen, mit der ich hier so gut wie alleine bin. Ich bin der Star des Dorfes, jeder kennt mich, jeder weiß alles über mich, was es da zu wissen gibt. Wenn ich durch die Straßen laufe, spricht mich unübertrieben jeder Zweite an, meistens ist es ein nettes Begrüßen, aber es kann auch auf die Nerven gehen, ein ganzes Dorf begrüßen zu müssen. Und wenn ich vorbeigehe drehen sich die Gespräche ausschließlich um mich, ich verstehe nicht viel, aber dann erzählen sie immer von mir, als würden sie mich alle kennen. Sie arbeitet für die Fondation Stamm, sie ist Deutsche, sie heißt Johanna….nur dass ich eben keinen einzigen von ihnen kenne.
Gestern war ich auf einem Fußballspiel von zwei Schulklassen. Ein Freund von mir, natürlich Schwarzer, kaufte Erdnüsse und verteilte davon ein paar Päckchen an die Kinder. Ich dachte, dass könnte ich doch auch tun, kaufte auch ein paar, machte eigentlich exakt das Gleiche wie er, aber sofort waren alle Augen auf mich gerichtet. Ich hätte mir echt denken können, dass ich einen großen Fehler begangen hatte, aber es war schon zu spät. Ich begann die Erdnüsse zu verteilen, aber eben nur an die Kinder aus unserem Heim, ich kann ja nicht ein ganzes hungriges Dorf durchfüttern. In Null komma nix war ich jedoch genau von diesem hungrigen Dorf umringt. Ich versuchte zu fliehen, doch die Masse folgte mir, egal wie schnell und wohin ich lief. Zum Glück kamen mir die Kinder aus unserem Heim zur Hilfe und zwar mit einem Stock, mit dem sie versuchten, die Menge auf Abstand zu halten. Der Kreis um mich wurde dann zwar weiter, aber er löste sich nicht auf. Es war zwecklos. Uns blieb nichts anderes übrig, als nach Hause zu gehen. Und selbst da mussten wir die Kinder mit Stöcken vertreiben, damit sie uns nicht bis vor die Haustüre folgten.
Auf dem Markt, wollen die Marktfrauen, wenn sie schon das Glück haben, dass die einzige Weiße weit und breit bei ihnen etwas kaufen will, nicht mit dem richtigen Preis herausrücken, selbst wenn ich ihn genau kenne. Ich wollte nur ein paar Früchte kaufen, um ein bisschen Abwechslung zum Reis und zu den Bohnen zu bekommen, ich hörte wie die Frau auf Kirundi von einer anderen 300 verlangte, für mich allerdings waren es 500. Sie ließ sich nicht erweichen. Schon völlig angenervt stand ich also da, als auch noch ein Verrückter vorbei kam, und mich begrüßte. Freundlich, wie ich ja dann als doch zu sein versuche, grüßte ich zurück und schwups, schon hatte ich seine Hand an meinem Hintern, worauf ich ihm ohne lange nachzudenken, eine scheuerte. Er nahm darauf einen großen Stein vom Boden, und drohte mir, mich damit zu attackieren. Ich war zwar völlig überrascht, setzte aber noch eines oben drauf in dem ich ihm auf Kirundi sagte „Ich bring dich um.“ weil mir in dem Moment einfach nichts anderes einfiel. Er war kurz davor, den Stein nach mir zu werfen, entsann sich dann aber doch noch einmal anders und begrüßte mich einfach noch ein Mal, immer noch mit Stein in der Hand. Ich machte mich so schnell wie möglich aus dem Staub, so ganz geheuer war mir die Situation dann doch nicht. Also ging ich heim, mit leeren Händen, die Früchte konnte ich mir bei den Preisen ja nicht leisten, dafür aber mit einem Bauch voller Wut.
Zwei Mal schon, begleitete ich unseren Landwirt schon zu Landwirtschaftsprojekten. Die befinden sich dann im Landesinneren vom Landesinneren, also noch mal mehr ab vom Schuss, falls das überhaupt noch möglich ist. Auf dem Motorrad sind wir losgezogen und es war wirklich amüsant, die Leute und ihre Reaktionen zu beobachten. Solange man schnell wieder weg ist, stört mich das auch gar nicht so. Dort haben die Leute oft einfach nur Laute des kompletten Erstaunens hervorgebracht, das Wort Muzungu hatten sie oft gar nicht parat. Manche Kinder sind vor Schreck ins Gebüsch gesprungen. Einmal musste der Landwirt in einem Dort etwas abgeben, wir hielten an, was mir sehr unangenehm war. Er ließ mich einfach neben dem Motorrad stehen, während gerade das ganze Dorf zum Stillstand gekommen war und mich geräuschlos anstarrte, während sich ganz langsam und vorsichtig ein paar Kinder näher trauten. Einmal musste er noch einen Lehrer begrüßen, worauf ein gesamter Schulhof angestürmt kam. Ich muss schon sagen, manchmal bekomme ich es in so Situationen schon ein wenig mit der Angst zu tun.
Chinesin werde ich ja oft genannt, aber dort hat man mich sogar Kongolesin genannt, so wenig wussten die mich einzuordnen. Am sprachlosesten machte mich jedoch der Mann, der bei meinem Anblick laut schrie: Al Quaida!!!
Juni 26, 2009 um 9:48
Hallo mein Schatz,
ist eigentlich alles voll gut gelaufen….in Englisch sollte ich einen Aufsatz über eine Person die ich bewundere schreiben und ich hab natürlich über dich geschrieben
musst du mal durchlesen wenn du wieder da bist
ich hab die zehnte Klasse-Prüfungen jetzt hinter mir
lieb dich über alles