Auf dem Land

Letzten Montag brach ich zu meiner „Reise“ ins Landesinnere auf. Schwer bepackt war ich unfähig zu Fuß zum Bus zu gelangen. Normalerweise kein Problem. Als Muzungu folgen einem die Taxis in der Regel auf Schritt und Tritt. Was aber auch zur Regel gehört, ist, dass das nur so ist, wenn du kein Taxi brauchst, also meistens. Wenn du dann aber auf der Suche nach einem bist, kannst du fast sicher gehen, dass sie sich vor dir verstecken. Ein Phänomen, dass auch an diesem Morgen wieder zu schlug. Verzweifelt machte ich mich mit Back-Packer Rucksack, Reisetasche und Gitarre zu Fuß auf den Weg, brach allerdings schon nach wenigen Metern fast zusammen und wurde dann von meiner Nachbarin gerettet, die mich mitnahm. Allerdings musste sie vorher ihre Tochter noch an der Schule absetzten, sprich ich würde zu spät kommen, und wollte wegen meinem vielen Gepäck eigentlich eher frühzeitig da sein. Ich machte mir Sorgen und es gibt ungefähr nichts Lächerlicheres als sich in Afrika wegen Unpünktlichkeit sorgen zu machen, was sich dann auch herausstellte. Ich kam ungefähr zehn Minuten zu spät, alle standen noch außerhalb des Busses, mir wurde dann gleich das Gepäck aus der Hand genommen und ich wurde, als Letztes angekommen, als Erstes in den Bus geführt. Hätte ich mir denken können. 

versammelte Mannschaft

versammelte Mannschaft

Dann ging es also auf nach Muyinga, einer kleinen Stadt, nahe an der Grenze zu Tansania, mitten in der Pampa. Die Busfahrt dauerte ungefähr vier Stunden, war aber sehr angenehm. Manchmal frage ich mich, wie Burundi so gute Straßen haben kann, wenn alles andere eher problematisch ist. Während der Busfahrt wurde ich dann doch langsam ein bisschen nervös, ich war zwar bereits ein Mal in Muyinga, aber immerhin nur für einen Tag und das war schon 8 Monate her. Aber auch diese Sorgen waren natürlich mal wieder unbegründet. Ich wurde total herzlich aufgenommen, mein Zimmer ist schön, der Heimleiter nett und die Kinder habe ich, wie ich das mit Kindern meistens so mache, sofort ins Herz geschlossen. Ich werde jeden Tag zwei Mal lecker bekocht, ich habe zwar angeboten das ich auch mit den Kindern essen kann, aber davon wollte keiner etwas hören. Es ist üblich, dass das Personal besser ist. Bei dem leckeren Essen fiel es mir dann auch schwer, das abzulehnen. Das es hier kein fließendes Wasser gibt, ist eigentlich weniger problematisch, als ich mir das vorgestellt habe. Mit nem Eimer eiskaltem Wasser zu duschen, ist eigentlich ganz erfrischend, und das sage ausgerechnet ich, die sich schon im heißen Bujumbura über die kalte Dusche beschwert hat. Hier ist es im Vergleich nämlich wirklich kalt…ich war ja bereits ganz am Anfang meines Burundiaufenthaltes ein Mal hier und empfand es nicht als sehr kalt, aber mir ist Bewusst, dass sich mein Empfinden für Kälte inzwischen ziemlich verändert hat. Anfangs machten wir uns noch darüber lustig, dass bei Regen alle ihre Pullis rausholten, mittlerweile bin ich die erste, die ihre Jacke an hat. Also habe ich mir bevor ich herkam auf dem Markt eine dicke Winterjacke gekauft und die habe ich hier tatsächlich auch oft an und das wenn die Kinder hier noch im T-Shirt rumlaufen. Dafür ernte ich natürlich den ein oder anderen erstaunten Blick „Kommst du nicht aus Deutschland?“ „Ähm ja, da kam mich mal her…“ Was ich hier so mache? Zur Abwechslung mal früh ins Bett gehen, was mir sehr, sehr gut tut. Und davor beschäftige ich mit den Kindern, was mir hier noch ein Mal mehr Spaß macht als in Bujumbura, weil die Kinder hier auch begeisterter sind. Im Gegensatz zu dem Straßenkinderheim in der Hauptstadt, sind hier anstatt 130 Jungs nur 37, es ist also viel einfacher und überschaubarer etwas zu machen. Ich habe meinen Lap-Top dabei und gebe auch hier Computerunterricht. Eine Woche bevor ich hier herkam, habe ich wieder mit dem Gitarrespielen angefangen und habe mir dann auch gleich eine gekauft, um sie hierher mit zu nehmen. Num gebe

viele unentdeckte Talente

viele unentdeckte Talente

ich so gut wie dem ganzen Heim Gitarrenunterricht, das mit dem Spielen klappt auch ganz gut, aber das mit dem Gitarrestimmen weniger. Ich habe einfach nicht das Gehör dazu. Also haben wir es sogar mit Teamwork versucht und ich habe abstimmen lassen, ob der Ton jetzt stimmt oder nicht. Aber jedes Mal nach dem Stimmen klang das Ganze noch schrecklicher. Aber da ich hier ja keine andere Wahl habe, ist aufgeben keine Option, und so gaaanz langsam habe ich den Dreh raus. Zu dem lerne ich mit den Kindern hier auch noch Englisch, jeden Tag fünf Sätze, die am Tag danach in einem Test abgefragt werden. Unglaublich wie motiviert die Kinder sind (und wie raffiniert im Schummeln).

Auch Karateunterricht habe ich hier auf Wunsch der Kinder gegeben, die sich von einigen meiner Kicks schwer beeindruckt zeigten. Seit dem prügeln wir uns regelmäßig, wobei aber auch immer öfter ich selbst die Flucht ergreifen muss. ;-)

Da ich hier fast immer nur Bilder von Kindern reinstelle, erweise ich hiermit den aelteren die Ehre: Unser Nachtwaechter, der Umutama (alter, weiser Mann) beim Spagat...alle Achtung!!!

Da ich hier fast immer nur Bilder von Kindern reinstelle, erweise ich hiermit den aelteren die Ehre: Unser Nachtwaechter, der Umutama (alter, weiser Mann) beim Spagat...alle Achtung!!!

Im Großen und Ganzen fühle ich mich hier also sau wohl. Am Montag muss ich zwar leider schon wieder gehen, weil ich nach Ruanda auf ein Zwischenseminar gehen werde, aber ich kann mir gut vorstellen, dass ich die danach noch übrig gebliebene Zeit hauptsächlich hier verbringe und Bujumbura den Rücken zu kehre….obwohl es dort natürlich auch einen Haufen Kinder gibt, die ich jetzt schon schrecklich vermisse…aber man kann halt nicht alles haben. Außer, dass ich in einer Region wo die Leute hungern, zunehme, ist also alles bestens.

2 Antworten zu “Auf dem Land”

  1. nathalie Sagt:

    Hey Jojo.
    Hab gedacht es wird mal wieder Zeit, dass ich mich bei dir melde! Hier gehts allen soweit gut, auch mir, auch wenn ich mich grad mit ner üblen Erkältung rumschlagen muss. Zum Glück haben wir gerade ein langes Wochenende, durch den 1.Mai (is ja Feiertag hier). Wetter ist super und so langsam wird es Sommer. Ansonsten ist es ziemlich langweilig in Kenzingen und ich freue mich wirklich wenn ihr im Sommer alle wieder hier her kommt, dann is mal wieder etwas los! So lange gehts ja gar nichts mehr und ich hoffe, dass du deine restliche Zeit in Burundi noch in vollen Zügen genießst und so viel wie möglich mit nimmst! Ich denke es is eine gute idee die letzte Zeit in einem entspannteren Umfeld (ich nehme mal an das andere Kinderheim is entspannter wenn dort nur 37 Kinder sind) verbringst. Vielleicht hast du etwas mehr Zeit für dich und noch einmal die Chance noch etwas anderes zu entdecken! Vielleicht etwas familiäreres oder ich weiß ja auch nicht…. ich würds denk ich so tun^^
    Also…. ich denk an dich!!
    glg Nathalie
    gruß auch vom Oli

  2. Barbara S. Sagt:

    Liebe johanna,

    ich freue mich für dich, dass du die Entscheidung getroffen hast, ins Landesinnere zu gehen und dich dort so wohl fühlst. Du hattest schon so viele anstrengende Phasen in Bujumbura- gut wenn es jetzt gemütlicher zugeht!

    Lass es dir gut gehen, so weit dies möglich ist, dann hast du auch genug Kraft, dich um die Kinder zu kümmern!

    Barbara

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