Meine Abenteuer im Alltag
Es ist Anfang des Monats, ich trage endlich wieder Geld in meinem Geldbeutel und was mache ich? Ich lasse mich mal wieder beklauen. Ich war mit Jungs aus unserem Heim mit dem Bus unterwegs ins andere Heim, wir saßen bereits im zweiten Bus, der gerade losfahren wollte, als ich bemerkte, dass mein Geldbeutel fehlte und ein riesiger Schlitz in meiner Tasche war. Beschissen, auf jeden Fall mussten wir alle wieder schnell aus dem Bus aussteigen weil ich plötzlich zur mittellosen Muzungu geworden bin. Ich war soo wütend, auch auf mich selber, dass ich nicht besser aufpassen konnte und vor allem dann, als mir einfiel, dass ich meine zwei Geldkarten auch in diesem Geldbeutel gelassen hatte, konnte ich über meine Dummheit nur noch den Kopf schütteln. Ich hatte sie nach dem Urlaub in Tansania vergessen wieder aus dem Geldbeutel herrauszuholen. Tja, das wars dann wohl für mich mit Geldkarten. Ich habe sie sofort sperren lassen (obwohl ich bezweifele, dass der Dieb sie überhaupt erfolgreich einsetzten hätte können). Da stand ich nun, kochend vor Wut mit den Kindern am Markt und konnte ohne Geld weder weiterfahren, noch zurück. Zum Glück konnte mir ein älterer Junge das Busgeld bis in das andere Heim leihen und wir kamen dann doch noch an. Dort blies ich dann erst ein Mal Trübsal und versuchte das auch nicht zu verstecken. Die Kinder sollen ruhig merken, dass wir nicht unendlich reich sind und es auch uns etwas ausmacht wenn wir beklaut werden. Allerdings wurde mir auch im selben Moment wieder bewusst, dass es eben nicht so viel ausmacht, dass mir 20 Tausend gestohlen wurden, weil das für mich einfach nicht viel Geld ist (ca.15€). Also habe ich beschlossen, lieber darüber froh zu sein, dass mir überhaupt etwas geklaut werden kann. Es gilt zwar, wer nichts hat kann nichts verlieren, aber es ist doch besser, etwas zu haben, davon etwas zu verlieren und danach immer noch etwas zu haben. Somit habe ich den Diebstahl ziemlich schnell vergessen und erlebte am nächsten Tag auf dem Markt die nächste Überraschung.
Begrüßt werde ich viel, aber zumindest dann wenn mich jemand mit Namen begrüßt, den ich noch nie gesehen habe, werde ich aufmerksam. Manchmal vergesse ich Leute mit denen ich mich unterhalten habe, also fragte ich den jungen Mann, woher wir uns denn kennen und dachte mir nichts weiter dabei. Dann machte er sich daran, aus seinem Geldbeutel ein Passfoto zu holen, ich glaubte er habe mich sicher mit einer anderen Weißen verwechselt, die ihm ihr Foto gegeben hat. Als mir auf dem Foto mein eigenes Gesicht entgegenlächelte staunte ich nicht schlecht. Langsam, aber nur ganz langsam machte es in meinem Kopf klick. Natürlich, das Foto war aus meinem Geldbeutel. Wo er das Foto herhabe, fragte ich. Er habe es auf dem Busboden gefunden, etwas wofür ihn nicht nur ich, sondern die ganze Menschenmasse die sich langsam um uns versammelt hatte, halb tot lachte. Hatte der Dieb also tatsächlich die Unverschämtheit sich hier mir gegenüberzustellen? Ich begann ihn also zu beschuldigen, die Wut von gestern kochte wieder in mir auf, er stritt alles ab, verschwand kurz darauf komischerweise aber doch. Weiterhin war ich von Menschen umringt, von vielen Schaulustigen, um jede Wette aber vor allem von Leuten aus dieser Diebesgruppe, die scheinbar meistens zu mehreren unterwegs sind. Sie sagten, sie wüssten wo ich meinen Geldbeutel zurückbekommen könnte, mit all meinen Papieren, natürlich wussten sie auch alle von meiner Visa – Karte. Nochmals zwanzig Tausend sollte ich zahlen, um das alles zurück zu bekommen. Da die Karten allerdings eh schon gesperrt waren und die wichtigen Dokumente nur aus meinem Blutspenderausweis bestanden, konnte ich mir allerdings den Luxus leisten, ihnen laut und deutlich zu erklären, dass ich Dieben wie ihnen sicher nicht noch mehr Geld geben werde und mit hocherhobenem Mittelfinger abrauschen. J
Mein Passfoto hat sich der Junge, der als auf dem Markt meine Tüten trägt, heimlich an sich gerissen, ein Diebstahl über den ich mit eine Lächeln auf den Lippen hinwegsehen konnte
März 5, 2009 um 10:54
Hey Jojo!
Es ist einfach der Wahnsinn, was du Tag für Tag neues erlebst. Einfach unvorstellbar. Ich glaube ich wäre mit vielen Situationen einfach komplett überfordert und wäre (zb vor einer anstehenden Geburt) nervlich so am Ende, dass ich wahrscheinlich noch nicht mal richtig im Stande wäre zu helfen… richtig klasse, wie du das alles meisterst!!!
Ich habe nach deinem Eintrag über Rose mit meiner Mutter geredet und sie meinte, dass der Betreuer von Rose sich doch am ehesten mal an die Freiburger Kinderklinik wenden sollte, da diese ein sogenanntes „Elternhaus“ haben, damit die Eltern der Kinder, die von weiter weg kommen, trotzdem jeden Tag zu ihren Kindern in die Klinik können. Vielleicht können Rose und ihr Betreuer dort für eine Weile „unterkommen“. Meine Mutter hat mir auch den Namen einer Ärztin, an die man sich deswegen wenden kann, gesagt, aber den habe ich natürlich wieder vergessen. Aber ich schicke dir in den nächsten Tagen mal eine e-mail mit dem Namen! Ich kann nicht sagen, ob das mit dem Elternhaus klappt, aber einen Versuch ist es auf jeden Fall wert (falls ihr noch keine andere Unterkunft gefunden habt).
Ich wünsche dir weiterhin die Kraft und die Nerven deine Abenteuer durchzustehen und ich glaube, wenn du zurückkommst bist du uns daheimgebliebenen um sehr viele (aussergewöhnliche) Erfahrungen vorraus…
Pass gut auf dich auf, ich vermisse dich!
Hdl
März 7, 2009 um 5:23
Hallo Johanna,
ich wollte mich auch mal wieder melden! Nach wie vor verschlinge ich gierig deine Berichte und bin immer wieder ganz fassungslos, was du so alles erlebst! Ich glaube, wenn du heim kommst, solltest du deiner Schwester nacheifern und ein Buch darüber schreiben.
Dein Einsatz bei der unerwarteten Geburt (und bei allen anderen unvorhergesehenen Dingen) ist ja wirklich bewundernswert! Ich denke in deinem Afrikajahr gewinnst du mehr an Reife und Lebenserfahrung wie andere in 10 Jahren!
Pass auf dich auf und bleib gesund!!
Liebe Grüße von
Bettina